Vorsorge

Besser als Nachsorge

Von Katja Müller · 2016

Krebsvorsorgeuntersuchungen kosten viele Menschen Überwindung, können aber im Ernstfall Leben retten. Welche Vorsorge-Checks sind überhaupt sinnvoll? Und ab welchem Alter sind sie quasi ein Muss?
Ein Überblick.

Vorsorgeuntersuchungen sind nicht für jeden und alle Krebsarten sinnvoll. Entscheidend für ein erfolgreiches Screening ist, dass der Tumor zu einem frühen Zeitpunkt entdeckt wird und noch behandelbar ist. Da die meisten Symptome erst bei fortgeschrittenen Tumoren auftreten, kann durch die Früherkennung sowohl die Häufigkeit bösartiger Tumoren als auch die Sterblichkeit durch bestimmte Krebsarten in der Allgemeinbevölkerung gesenkt werden.

Aufklärung und Information sind das A und O

Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass das Krebsrisiko durch die regelmässige Teilnahme an den oben genannten Vorsorgeuntersuchungen sinkt, stehen vor allem Männer den Früherkennungsprogrammen kritisch gegenüber. Neben der verständlichen Angst vor der Krebsdiagnose, spielt auch Misstrauen gegenüber den Verfahren und möglichen falsch-positiven Resultaten eine Rolle. Initiale Fehldiagnosen sind zwar selten, können aber zu unnötigen Folgeuntersuchungen und schweren psychischen Belastungen führen. Deshalb ist es wichtig, sich vorab genauestens über Vor- und Nachteile sowie mögliche Risiken verschiedener Vorsorgeuntersuchungen zu informieren.
Ob und in welchen Abständen eine Untersuchung stattfinden sollte und von den Kassen übernommen wird, hängt vom Risikoprofil des Patienten sowie der individuellen Einstellung von Patient, Arzt und Versicherung ab.

Tipp:

Erste detaillierte Informationen über Vorsorgeprogramme finden Sie im Internet auf der Website der Krebsliga Schweiz: www.krebsliga.ch.
Die individuelle Beratung, ob und welche Vorsorgeuntersuchungen für Sie wichtig sind, erhalten Sie bei Ihrem Arzt.
Und vergessen Sie nicht: Vorsorge ist immer besser als Nachsorge!

Die Top 5 der Vorsorgeuntersuchungen

Brustkrebs

Neben der Tastuntersuchung auf knotenartige Veränderungen, wird ein Ultraschall der Brust (Mammographie) ab dem 50. Lebensjahr im Abstand von zwei Jahren von den Kassen übernommen. Wie beim Darmkrebs spielt auch hier die genetische Disposition und familiäre Vorbelastung eine Rolle, sodass der Beginn und die Regelmässigkeit der Untersuchungen im Einzelfall dem Risikoprofil der Patientin angepasst werden muss.

Gebärmutterhalskrebs

Hauptrisikofaktor für Krebs der Gebärmutter sind Infektionen ausgelöst durch den humanen Papilloma­virus. Unabhängig davon, ob eine Impfung gegen diesen Virus durchgeführt wurde oder nicht, sind Abstriche und Untersuchungen der Zellen des Muttermundes mit dem Beginn des regelmässigen Geschlechtsverkehrs in jährlichen Abständen sinnvoll. Werden in den ersten zwei Jahren keine auffälligen Zellen entdeckt, kann der Abstrich alle drei Jahre wiederholt werden.

Prostatakarzinom

Karzinome der Prostata können durch Rektaluntersuchung ertastet und ein Verdacht durch die Messung eines bestimmten Blutwerts (PSA) erhärtet werden. Weil beide Testverfahren einen Tumor aber nur mit kleiner Wahrscheinlichkeit ein- oder ausschliessen können, ist der Wert der regelmässigen Vorsorgeuntersuchung umstritten.

Darmkrebs

Darmkrebs entsteht aus kleinen Wucherungen im Darm, sogenannten Polypen. Auf Grund ihrer guten Durchblutung, können Spuren von Blut im Stuhl als erster Hinweis für Polypen dienen. Mit Hilfe der Darmspiegelung kann der Darm genauer untersucht und Polypen frühzeitig – also vor der Umwandlung zu bösartigen Geschwüren – entfernt werden. Der zweijährliche Test nach Blut im Stuhl wird ab dem
50. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen, eine Darmspiegelung in zehnjährigen Abständen. Ausnahmen sind Patientinnen und Patienten mit genetischer Disposition und familiärer Vorbelastung. Hier werden die Untersuchungen früher und in regelmässigeren Abständen angesetzt.

Hautkrebs

Wird Hautkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, kann schon ein einfaches Rausschneiden als Therapie ausreichen. Sobald sich die Krebszellen über das Blut verteilen, wird eine Heilung in vielen Fällen so gut wie unmöglich. Deshalb ist die Blickuntersuchung der Haut nach auffälligen Veränderungen bereits in jungen Jahren wichtig. Dies gilt vor allem bei Risikotypen mit heller Haut, vielen Leberflecken oder bei familiärer Vorbelastung.