Interview

«In der Krebschirurgie ist interdisziplinäre Arbeit elementar»

Von Klinik Hirslanden Zürich · 2016

Hightech – aber nicht um jeden Preis. Stattdessen gilt es, wie Dr. Heinz Wehrli feststellt, mit ethischer Betrachtungsweise jedem Patienten die optimale, ihm zumutbare Therapie zu empfehlen.

Dr. Wehrli, wie wichtig ist es nach der Diagnose Krebs, den Patienten rasch in die Behandlungsabläufe einzubeziehen?

Schon zumeist bevor die Therapie beginnt, stellt die hochkomplexe interdisziplinäre Tumortherapie, die unter anderem auf der Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung basiert, die Weichen für einen guten Therapieerfolg. Hierbei ist es nicht nur elementar, dem Patienten die interdisziplinären Strategien offen, ehrlich und einfühlsam darzulegen und zu erklären. Auch sollte der Patient dabei stets als wichtigster Entscheidungsträger umfassend informiert in ein Therapiekonzept einbezogen werden. Dies setzt für den behandelnden Arzt Charisma und Einfühlungsvermögen voraus.

Wie können Patienten sichergehen, dass die angewandte Therapie die für sie wirklich Richtige ist?

Komplexe, den Patienten oft belastende, aber auch teure Operationen und Verfahren müssen evidenzbasiert sein und den modernsten internationalen Richtlinien - gestützt auch auf dem Humanforschungsgesetz - entsprechen. Diese Entscheidungsfindung sollte immer in einem Team erfolgen. Auch dank dieser Interdisziplinarität haben wir in den letzten 20 Jahren wesentlich bessere Heilungsresultate bei vergleichsweise hoher Lebensqualität für Tumorpatienten erreicht. Deshalb ist jeder Tumorpatient interdisziplinär in einem mehrere Fachgebiete umfassenden Tumorboard zu diskutierten.

Welche Rolle spielen dabei modernste Behandlungstechnologien?

Sie sind gelegentlich wichtige Eckpfeiler, allerdings darf dabei die Faszination ihnen gegenüber nicht zu therapeutischem Übermut führen. Auch im Zeitalter hochdifferenzierter Hightech-Medizin kann es sinnvoll sein, gelegentlich voller Demut auf zwar moderne, aber kaum effektive oder im Einzelfall zu gefährliche Therapieschritte zu verzichten. Prestige gegenüber spektakulären Heilungstechniken oder Partialinteressen einzelner Glieder des Behandlungsteams gilt es, in den Hintergrund zu rücken.

Und den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen...

Richtig. Es sollte stets das Wohl des Patienten, dessen Vertrauen und Wunsch zur bestmöglichen Heilung im Zentrum der Bestrebungen stehen. Der Mensch mit seinem Leiden und seinen Ängsten will jederzeit respektvoll nach dem neuesten Stand des medizinischen Wissens während und nach dem Spitalaufenthalt betreut werden. Dafür ist die fachgerechte und menschliche Unterstützung seines behandelnden Teams von grosser Bedeutung. Nur so kann ein Patient, dessen Leben durch eine Krebsdiagnose aufgerüttelt wurde, seine Kräfte ganz auf die Genesung konzentrieren.

Im Interview

Dr. med. Heinz Wehrli
Facharzt für Viszeralchirurgie und
Allgemeinchirurgie/Traumatologie,
Klinik Hirslanden Zürich