Krebs

Die Geissel der Menschheit

Von Nadine Effert · 2015

Männer ab dem 45. Lebensjahr sollten sich jährlich einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen.

Krebs ist eine äusserst heimtückische Krankheit, die auf leisen Sohlen kommt und meist zum Tod führt. Jährlich sterben über 16’000 Schweizerinnen und Schweizer an der Volkskrankheit. Wie entsteht Krebs? Warum ist er so gefährlich? Wie erkennt man ihn?

60 Prozent der Nierentumoren werden zufällig entdeckt

Krebs ist keine einheitliche Krankheit, «den Krebs» gibt es nicht. Hinter dem Begriff versteckt sich eine Vielzahl an Erkrankungen. Entstehung, Verlauf und Behandlung machen den Unterschied aus. Jährlich erkranken in der Schweiz über 37’000 Menschen neu an Krebs. Männer am häufigsten an Prostata- und Lungenkrebs; bei Frauen dominiert der Brustkrebs, gefolgt von Dickdarmkrebs. Die meisten aller Krebserkrankungen, nämlich 95 Prozent, sind sogenannte solide Tumoren. Sie entwickeln sich aus den Zellen eines Organs - wie etwa der Lunge, Niere oder Haut - und bilden eine knotige Geschwulst. Während sich solide Tumoren anfangs auf das betreffende Organ beschränken, befallen hingegen bösartige Systemerkrankungen wie Leukämie und Lymphome den gesamten Organismus, da sie vom Blut- oder Lymphsystem, das den ganzen Körper durchzieht, ausgehen.

Eine Krankheit der Gene

Die erschreckend hohe Zahl der Neuerkrankungen könnte laut Krebsliga Schweiz um etwa ein Drittel reduziert werden. Wir alle haben es in der Hand, dem Krebs weniger Chancen einzuräumen, uns heimzusuchen. Ganz einfach durch Verhaltensänderungen und das Vermeiden bestimmter Risiken. Denn Krebserkrankungen beruhen auf Veränderungen in den Genen, die zum Beispiel durch Rauchen ausgelöst werden. Daher gilt: Weg mit dem Glimmstängel. Ausserdem wichtig: gemässigter Alkoholkonsum, viel Bewegung, gesunde Ernährung, Schutz vor schädlicher UV-Strahlung und chronischen Infektionskrankheiten wie Hepatitis und HIV sowie das Meiden schädlicher Umwelteinflüsse. Neben diesen genverändernden Faktoren spielt in fünf bis zehn Prozent der Fälle eine erbliche Vorbelastung eine Rolle. So tritt Krebs in betroffenen Familien in jeder Generation und schon in jungen Jahren auf.

Fast Food erhöht Darmkrebsrisiko

Eine aktuelle Studie der University of Pittsburgh School of Medicine belegt, dass allein mit einer Ernährungsumstellung das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, reduziert werden kann. An insgesamt 40 Probanden wurde untersucht, wie sich ein Austausch der Ernährung auf die Zusammensetzung der Darmflora und die Darmschleimhaut auswirkt. Die Hälfte der Teilnehmer waren Afroamerikaner, die gerne zu Junkfood greifen, die andere Hälfte Afrikaner aus ländlichen Regionen Südafrikas, deren Nahrung vor allem pflanzlicher Natur ist. Nach nur zwei Wochen stellten die Forscher Folgendes fest: Bei den Afroamerikanern sind die Risikofaktoren für Darmkrebs gesunken, bei den Afrikanern hingegen gestiegen. Allerdings sind zur Unterstützung der Ergebnisse Langzeitstudien erforderlich. Doch die Ergebnisse «würden Hoffnung machen, dass ein vermehrter Verzehr von Ballaststoffen zusammen mit einer reduzierten Fettaufnahme» die unverhältnismässig hohe Anzahl an Darmkrebserkrankungen in westlichen Ländern reduzieren könne, so die Forscher.

Vorsorgemassnahmen Ernst nehmen

Fakt ist: Je früher Krebs entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Dies gilt in besonderem Masse für Krebserkrankungen der Haut, Brust, des Darms, Gebärmutterhalses und der Prostata. Werfen wir einen Blick auf das Prostatakarzinom. In der Schweiz erkranken jährlich rund 6’000 Männer neu an Prostatakrebs, etwa 1’300 Betroffene sterben daran. Eine «Vorsorge» im Sinne von «Vorbeugung» gibt es nicht. Ein frühzeitig erkannter Prostatakrebs, der nicht gestreut hat, ist in der Regel sogar komplett heilbar. Männer ab dem 45. Lebensjahr sollten sich jährlich einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen, bei der der Urologe zum Beispiel mittels einer digital-rektalen Untersuchung (DRU) die Prostata nach unregelmässigen, harten Knoten absucht. Im Rahmen urologischer Untersuchungen können auch andere wichtige Organe unter die Lupe genommen werden. Nierentumoren werden heutzutage in 60 Prozent der Fälle zufällig und somit frühzeitig im Rahmen von Vorsorgemassnahmen entdeckt. Endgültige Gewissheit bringen bildgebende Verfahren wie Ultraschall sowie Computer- und Kernspintomografie.

Diagnose per Smartphone?

Krebsdiagnosegeräte sind vor allem eins: teuer. Daher haben US-Forscher vom Massachusetts General Hospital in Boston ein Smartphone-basiertes Verfahren, das sogenannte D3-System (Digital Difraction Diagnosis), entwickelt, das Blut- oder Gewebeproben mit Hilfe von Antikörpern auf tumorartige Veränderungen untersucht. Ein bildgebendes Modul mit einer Auflösung von zwei Mikrometern wird dafür vor die Linse des Smartphones montiert. Dieses ermöglicht eine Aufnahme von 14 Quadratmillimetern mit mehr als 100’000 Zellen, welche anschliessend verschlüsselt an einen Server geschickt und innerhalb von 45 Minuten ausgewertet wird. Kosten? 1,80 US-Dollar.