Krebs Therapien

Die Zukunft liegt im gezielten Angriff

Von Nadine Effert · 2015

Vor allem die Angst vor einer Chemotherapie lässt Patienten auf den grossen Durchbruch und neue Therapien im Kampf gegen den Krebs hoffen.

Jeder Tumor ist eine eigenständige, differenzierte Krankheit – eine einzige Wunderpille gegen die Geissel der modernen Menschheit kann es nicht geben. Fortschritte in der Behandlung hingegen schon. Diese zeigen sich etwa in schonenderen Eingriffen durch innovative Operationsmethoden und der Möglichkeit, Tumoren von innen zu bestrahlen. Bei der medikamentösen Therapie sind es vor allem neue Wirkstoffe, die gezielt dem Tumor auf den Leib rücken.

Stoppschild für Krebszellen

Heute gibt es über 300 verschiedene Krebsarten. Allen Tumoren gemeinsam ist eine unkontrollierte Teilung der bösartigen Zellen. Im Rahmen der Chemotherapie werden Zytostatika (von griech. Zyto = Zelle, statikos = zum Stillstand bringen) eingesetzt. Die in der Umgangssprache auch als Zellgifte bezeichneten Substanzen bremsen die wachstumsaktiven Zellen aus und bringen sie bestenfalls zum Absterben. Heutzutage gibt es über hundert verschiedene Zytostatika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen auf dem Markt, die sich, oftmals in Kombination mit Bestrahlung und/oder Operation, bewährt haben. Allerdings mit unerwünschten Nebenwirkungen. Der Grund: Zytostatika wirken unspezifisch und systemisch – sprich überall im Körper. So greifen sie nicht nur Tumorzellen an, sondern alle schnell wachsenden Zellen – also auch gesunde.

Individuell und zielgerichtet

Nebenwirkungen minimieren und gleichzeitig die Wirkung von Zytostatika verbessern – an dieser kniffligen Aufgabe arbeiten derzeit Forscher weltweit, genauso wie an der Analyse der molekulargenetischen Identitäten von Tumoren. Durch sie soll in Zukunft vermehrt eine individuelle Behandlung möglich sein. Daher werden künftig Behandlungserfolge weniger durch neue Zytostatika, als vielmehr durch zielgerichtete molekulare Therapien von Tumor-Subgruppen erzielt. Medikamente – ob auf Basis monoklonaler Antikörper oder Signalinhibitoren – setzen genau da an, wo der Krebs entsteht: in der Zelle. Gelingt die weitere Entschlüsselung des Erbguts von Tumoren öffnet dies neuen, zielgerichteten Therapien – aber auch Vorsorgemassnahmen – die Türen.