Klinikbeitrag / Krebs

Eine Krebserkrankung betrifft immer auch die Psyche

Von Dr. med. Christine Szinnai – Klinik Schützen Rheinfelden · 2015

Eine Krebserkrankung bedeutet für die Betroffenen meist eine plötzliche Grenzerfahrung, einen «Sturz aus der normalen Wirklichkeit», wie der Soziologe Niklaus Gerdes es nennt.

Dabei ist nicht nur der Körper unmittelbar betroffen, sondern auch die Seele leidet. Zu Beginn der Behandlung stehen die körperlichen Aspekte im Vordergrund. Der Tumor wird mit Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt. Heute erhalten die Patienten effiziente Medikamente, so dass die meisten Therapien recht gut verträglich sind, trotzdem bedeutet diese erste Zeit der Behandlung eine grosse Belastung für Körper und Psyche. Oftmals wird dies den Betroffenen erst nach Abschluss der Therapie deutlich, sie fühlen sich erschöpft, vielleicht auch traurig oder hilflos. Diese Erschöpfung kann bei bis zu einem Drittel der Patienten so ausgeprägt sein, dass es zu einem sogenannten Fatigue-Syndrom kommt. Dabei handelt es sich um eine Müdigkeit, die durch Ruhe oder Schlaf nicht besser wird und welche die Betroffenen im Alltag und Beruf stark behindert. Manche Patienten entwickeln Ängste vor der Zukunft, sie fürchten sich vor der Rückkehr in den Berufsalltag oder fühlen sich den familiären Aufgaben nicht mehr gewachsen. Die Hemmschwelle, über diese Beschwerden zu sprechen, ist sowohl bei den Patienten als auch bei den Behandlern häufig noch zu hoch. Den Betroffenen kann aber effizient geholfen werden, damit es nicht zur Entwicklung einer Depression oder Angsterkrankung kommt. Es ist deshalb sinnvoll, eine psychologische Unterstützung frühzeitig anzubieten. So kann den Betroffenen und ihren Angehörigen geholfen werden, die Krankheit zu verarbeiten und Hilfestellung bei der Bewältigung von möglichen Ängsten angeboten werden.
Wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, ist eine stationäre Therapie hilfreich. In einer auf Psychoonkologie spezialisierten Klinik, wie zum Beispiel der Klinik Schützen in Rheinfelden, werden die ärztliche sowie die psychotherapeutische Behandlung mit Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Körper- sowie Spezialtherapien kombiniert. Zudem besteht die Beratungsmöglichkeit zu einer komplementärmedizinischen Behandlung wie zum Beispiel der Misteltherapie. Mit einer stationären psychoonkologischen Betreuung kann in jeder Krankheitsphase eine nachhaltige Verbesserung der psychischen und körperlichen Beschwerden erreicht werden.

Zur Autorin

Dr. med. Christine Szinnai
Oberärztin, Fachärztin für Innere Medizin FMH
Abteilung für Psychosomatik und Psychoonkologie,
Klinik Schützen Rheinfelden