Prostatakrebs

Er kommt auf leisen Sohlen

Von Nadine Effert · 2015

Frühzeitig diagnostiziert, ist Prostatakrebs durchaus heilbar. Doch gerade im Anfangsstadium macht sich der Tumor nicht oder nur kaum bemerkbar.

Bei der Früherkennung wird unter anderem der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) über einen Bluttest bestimmt.

Prostatakrebs gilt als häufigste Krebserkrankung beim Mann. Laut Schweizer Krebsliga betreffen rund 30 Prozent aller Tumorerkrankungen die Prostata. In der Schweiz erkranken jährlich etwa 6’000 Männer neu. Diese sind durchschnittlich fast alle über 50, sechs von zehn Betroffenen sind bei der Diagnose über 70 Jahre alt. Neben dem Alter gilt eine familiäre – sprich genetische – Vorbelastung als weiterer Risikofaktor. Neben Samenbläschen und Samenleiter gehört das etwa kastaniengrosse Organ zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Seine Position befindet sich vor dem Enddarm, unterhalb der Harnröhre. Von dort aus verläuft die Harnröhre durch die Prostata, die auch Vorsteherdrüse genannt wird, bis zum Penis. Bildet sich ein Tumor in der Prostata, so führt dieser ab einer gewissen Grösse zu typischen Symptomen: Prostataschmerzen, Blut im Urin sowie Probleme beim Wasserlassen. Doch bis diese Symptome auftreten, kann mitunter viel Zeit gehen. Zeit, in der der Tumor wächst. Jährlich sterben in Schweiz etwa 1’300 Männer an Prostatakrebs.

Männlichkeit in Gefahr?

Im Frühstadium wird der Tumor daher oft zufällig bei Untersuchungen zur Früherkennung entdeckt. Laut Krebsliga Schweiz sei es eine «persönliche Entscheidung», ob Mann zur Früherkennung gehe oder nicht. Ob solche Untersuchungen, bei denen ein Urologe durch den Enddarm die Prostata abtastet und den Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) über einen Bluttest bestimmt, überhaupt dazu beitragen, dass weniger Männer an Prostatakrebs sterben, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Viele Männer mit Prostatakrebs sterben aus anderen Gründen, denn es kann durchaus vorkommen, dass ein Prostatatumor während zehn oder mehr Jahren im Frühstadium verweilt. Hinzu kommt der Aspekt, dass die Untersuchung für viele Männer mit einer grossen Portion Schamgefühl verbunden ist. Genau wie die Krankheit selbst. Es sind die unliebsamen, möglichen Folgen der Behandlung: Harninkontinenz und Impotenz. Das männliche Selbstverständnis kann dadurch ordentlich ins Wanken geraten. Nach wie vor ist Prostatakrebs eine mit Tabus und Vorurteilen behaftet Krankheit. Die gute Nachricht: Ist der Tumor auf die Prostata begrenzt, stehen die Heilungschancen gut. Als Therapiemassnahmen kommen, je nachdem wie weit die Erkrankung vorangeschritten ist, die operative Entfernung der Prostata und der benachbarten Lymphknoten, die Bestrahlung von aussen oder innen mithilfe implantierter Strahlenquellen, die Chemotherapie sowie der Ansatz des aktiven Überwachens des Tumors infrage. Im fortgeschrittenen Stadium setzen Onkologen primär auf die Antihormon-Therapie.

Tests bringen Licht ins Dunkle

Ein erhöhter PSA-Wert ist übrigens vorerst ein reiner Verdacht, jedoch kein Indiz für Krebs. Eine weitere Abklärung erfolgt mittels Ultraschall, der die Grösse des Organs sowie eines möglichen Tumors anzeigt, und/oder einer Gewebeprobe (Biopsie), um zu klären, ob es sich um einen bösartigen Tumor – sprich Krebs – handelt. Spezifische Tests wie etwa der «Gleason-Score», der anhand von Gewebeproben ermittelt wird und die Geschwindigkeit des Tumorwachstums verrät, geben Aufschluss über das Stadium des Krebses. Auf dieser Erkenntnis, aber auch dem Gesundheitszustand und das Alter des Patienten, basiert die Wahl der optimalen Therapie. Möglichkeiten zur Vorbeugung von Prostatakrebs sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Daher ist es wichtig, auftretende Symptome urologisch abklären zu lassen und bei erhöhtem Risiko die Möglichkeiten der Früherkennung zu nutzen.