Brustkrebs

Früherkennung von Brustkrebs ist möglich

Von Sebastian Juha Richter · 2014

1,6 Millionen Frauen sind weltweit jährlich von Brustkrebs betroffen. Vor allem durch erfolgreiche Früherkennung fallen ihm immer weniger Frauen zum Opfer.

Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung, bei der die weibliche Brust mittels Plexiglasscheiben möglichst flach zusammengedrückt wird und mit einem Röntgengerät mehrere Aufnahmen erfolgen. Auf den Röntgenbildern sollen Gewebeveränderungen nachgewiesen werden, um Brustkrebs möglichst früh zu erkennen.

Weitere Untersuchungen nach positivem Befund notwendig

Die Mammografie ist jedoch nur der erste Schritt zur Diagnose Brustkrebs. Wenn die Röntgenuntersuchung einen auffälligen Befund erbringt, sind weitere Untersuchungen notwendig. Manchmal handelt es sich nämlich bei solchen Befunden auch um gutartige Veränderungen. Meist wird bei einem signifikanten Ergebnis eine Probe, eine Biopsie, aus der betroffenen Brust entnommen, um die Art der Veränderung zu bestimmen. Weil mit der Untersuchung gutartige und bösartige Veränderungen nicht unterschieden werden können und Folgeuntersuchungen nötig sind, wird die Mammografie auch kritisiert. Kaum eine Untersuchung oder Therapie ist nicht mit einem Risiko verbunden. Röntgenstrahlen bringen nicht nur Krebsveränderungen zum Vorschein, sondern die Untersuchung schädigt gleichzeitig auch minimal das menschliche Erbgut, die DNA. Diese Veränderungen können auf längere Sicht in sehr seltenen Fällen selbst zu Krebs führen.
Eine medizinische Untersuchung sollte die Lebensqualität im Durchschnitt deutlich verbessern und nur möglichst wenigen Patienten schaden. Medizinische Untersuchungen und Therapien sind oft «Mischkalkulationen». Man nimmt in Kauf, dass einige wenige Patienten durch die Untersuchung eine Schädigung erfahren, wenn dadurch im Durchschnitt vielen Patienten geholfen werden kann. So ist es ja auch im Strassenverkehr: Viele Menschen kommen heil ans Ziel, aber einige wenige Unglückliche verletzen sich dabei. Die heutzutage bei der Mammografie eingesetzten Geräte kommen mit immer weniger Strahlung aus, sodass die Wahrscheinlichkeit für DNA-Schäden geringer ist.

Zwischen 50 und 70 Jahren: Alle zwei Jahre zum Mammografiescreening

Empfohlen wird das sogenannte Mammografiescreening für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren: Alle zwei Jahre werden als Früherkennungsuntersuchung Aufnahmen der Brüste angefertigt. In dieser Altersgruppe ist die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs nämlich besonders hoch, sodass davon ausgegangen wird, dass durch das Mammografiescreening eine von 200 Frauen vor dem Brustkrebstod bewahrt wird. Es ist immer gut Krebs früh zu erkennen, warum wird die Mammografie also nicht jüngeren Patientinnen empfohlen? In jüngerem Lebensalter ist Brustkrebs glücklicherweise insgesamt seltener, während die Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Ergebnisses erhöht ist. Falsch-positiv bedeutet, dass eine Veränderung in der Mammografie erkannt wird und trotzdem kein Krebs besteht. Auch wenn die Strahlung bei der Mammografie im Vergleich zu anderen radiologischen Untersuchungen nicht besonders hoch ist, darf nicht vergessen werden, dass sie bei jüngeren Frauen eher Auswirkungen hat als bei älteren.
Es gibt aber auch Patientinnen, denen aufgrund eines individuellen Risikos schon im jüngeren Lebensalter radiologische Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden. Betroffen sind vor allem Familien, in denen zum Beispiel aufgrund einer Veranlagung gehäuft Brustkrebs auftritt. Brustkrebs kann auch Männer betreffen.
Vor allem bei familiärer Belastung ist auch hier zum Beispiel ein regelmässiges Abtasten der Brust sinnvoll.

MRT und Ultraschall als Alternative

Zusätzlich und in manchen Fällen auch alternativ zur Mammografie, wird eine Ultraschalluntersuchung der Brust durchgeführt. Manche Veränderungen in der Brust lassen sich besser mit der Mammografie, andere mit Ultraschall beurteilen. Bei einem starken Verdacht wird meist eine Kombination aus Mammografie und Ultraschall durchgeführt. Bei jüngeren Patientinnen ist das Gewebe noch fester, sodass mittels Ultraschall bessere Ergebnisse erzielt werden können. Auch die Magnetresonanztomografie (MRT) der Brust ist eine alternative oder ergänzende Methode zur Mammografie. Der grosse Vorteil beim MRT wie auch beim Ultraschall ist, dass im Gegensatz zur Mammografie keine Röntgenstrahlung freigesetzt wird. Zum Einsatz kommt sie deswegen oft bei jüngeren Hochrisikopatientinnen. Allerdings kann auch sie nicht alle Veränderungen aufdecken.
Eine der wichtigsten Massnahmen in der Krebsfrüherkennung bleibt neben all diesen Verfahren aber immer bestehen: die Selbstbeobachtung und das regelmässige, selbst durchgeführte Abtasten. Bei Auffälligkeiten, zum Beispiel einem Knoten, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.