Brustkrebs

Ist die «Diggi-Mammo» die Zukunft?

Von Wiebke Toebelmann · 2015

Die modernste Mammografie-Methode ist das digitale Mammogramm. Die Erstellung eines Befundes geht bedeutend schneller, denn sie erfolgt direkt auf dem Bildschirm.

Tausende Frauen erhalten jährlich die Horror-Diagnose Brustkrebs. Dank moderner Hightech-Medizin beileibe kein Todesurteil mehr – auch dank verbesserter Früherkennungsmassnahmen, die jede in Anspruch nehmen sollte.

Rund 5‘000 Neuerkrankungen an Brustkrebs werden in der Schweiz pro Jahr registriert. Eine alarmierende Zahl, gerechnet auf die relativ geringe Population der Alpenrepublik. Natürlich kann niemand etwas dafür, zu erkranken. Aber jeder kann wiederum etwas dafür tun, dass der Krebs möglichst frühzeitig erkannt wird.
Als wichtigstes Element in der Früherkennung gilt die Mammografie. Dabei wird die Brustdrüse behutsam zusammengedrückt, um die Bildqualität zu optimieren, und geröntgt. Viele Frauen empfinden die Untersuchung als unangenehm, gar schmerzhaft. Obwohl sich die Mammografie nicht gut anfühlt, wird sie doch für Frauen ab 50 alle zwei Jahre dringend empfohlen, da sie nicht nur der Tastuntersuchung, sondern auch dem Ultraschall überlegen ist. Schon zwischen 40 und 50 sollte schon mal eine einmalige Basismammografie erstellt werden.

Digitalisierung in der Früherkennung

Die modernste Mammografie-Methode ist das digitale Mammogramm, das mit einem elektronischen Sensor erzeugt wird. Ein Verfahren, das diverse Vorteile mit sich bringt, wie etwa die verbesserte Erkennung gefährlicher Kleinsttumoren und die erheblich reduzierte Strahlenbelastung. Zudem ist die Untersuchung sehr viel schonender und damit weniger schmerzhaft, indem das Gerät über eine Kompressionsplatte verfügt, die sich der Brustform anpasst. Nicht zuletzt geht auch die Erstellung eines Befundes bedeutend schneller, denn sie erfolgt direkt auf dem Bildschirm, sodass die Patientin keine lange Wartezeit auf das Ergebnis auf sich nehmen muss.
Dem Arzt steht zudem ein intelligentes Computerprogramm zur Seite, das ihm genau anzeigt, wo sich auffällige Stellen befinden. Der Clou: Diese Auffälligkeiten werden dem Mediziner quasi «vorgelegt», so dass das Gerät die Diagnose erst fortführt, wenn der Fachmann auf die kritische Stelle eingegangen ist und sie analysiert hat. Das Bildmaterial kann obendrein blitzschnell bearbeitet und an andere Spezialisten gesendet werden. Viele Experten sind der Meinung, dass die «Digi-Mammo» das herkömmliche Mammogramm ablösen wird.

MRT statt Röntgen – eine teure Alternative

Doch gibt es bei der Brustkrebserkennung Verfechter anderer Technologien, wie etwa der Kernspintomografie beziehungsweise Magnetresonanztomografie (MRT). Zuletzt sorgte eine deutsche Studie 2007 für Aufruhr. Forscher der Universität Bonn untersuchten rund 7‘300 Frauen über einen Zeitraum von fünf Jahren und fanden heraus, dass die Vorstufen von Brusttumoren mittels MRT doppelt so häufig erkannt wurden als durch die konventionelle Röntgen- Mammografie. Aber ist die Methode wirklich zukunftsfähig? Eher unwahrscheinlich, da die Geräte sehr teuer in der Anschaffung sind und das Brust-MRT extrem viel Expertise erfordert. Ein Masseneinsatz ist aktuell jedenfalls noch nicht vorstellbar.

Erhöhte Gefahr durch «Brustkrebs-Gen»

Bei aller Vorsorge gibt es auch die seltenen Fälle von erblich vorbelasteten Brustkrebs-Risikokandidatinnen. Sie tragen Genmaterial in sich, das die Wahrscheinlichkeit zu erkranken erhöht. Einen Gentest in Erwägung ziehen sollten Frauen, deren Mutter, Schwester und Grossmutter ebenfalls an Brustkrebs erkrankt sind. Wer tatsächlich positiv auf eines der «Breast Cancer Genes» BRCA1 oder BRCA2 getestet wird, hat tatsächlich ein zehnmal höheres Risiko, zu erkranken. Auch das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung liegt bei gerade mal 40 und nicht wie sonst bei 60 Jahren. 65 bis 75 von 100 Trägerinnen von BRCA1 erkranken vor dem Alter von 70 an Brustkrebs. Zusätzlich ist auch die Gefahr von Eierstockkrebs erhöht: bei der Hälfte der Frauen mit BRCA1 und bei bis zu einem Fünftel mit BRCA2.

Was also tun, wenn man Genträgerin ist?

Empfohlen wird eine sehr viel engmaschigere Vorsorge, die unter anderem die Mammografie bereits ab dem 30. Lebensjahr vorsieht. Tatsächlich gibt es derzeit den Trend zu einer sehr radikalen Vorsorgemassnahme: der beidseitigen Mastektomie, also der kompletten Brustentfernung mit anschliessender Rekonstruktion. Berühmtestes Beispiel ist sicherlich Angelina Jolie, die den Eingriff vornehmen und sich jüngst auch noch die Eierstöcke entnehmen liess, da sie «nicht mehr in Angst leben» wollte. Die Schauspielerin ist Trägerin des «Brustkrebs-Gens» und verlor dadurch bereits mehrere Verwandte, darunter ihre Mutter. Ein nicht unumstrittener Schritt, der aber speziell in den USA immer mehr Anhänger findet.
Glücklicherweise sind solch drastische Massnahmen die absolute Ausnahme. Auf der sicheren Seite ist frau gewiss nie. Aber sie kann ihren Beitrag zur eigenen Gesundheit leisten, wenn sie das Thema Früherkennung nicht ignoriert und zur Vorsorge geht – denn die kann in der Tat lebensrettend sein.