Krebs bei Kindern

Kleine Patienten, grosse Aufgaben

Von Charlotte Klingenthal · 2014

Wenn Kinder an Krebs erkranken, ist die Medizin in einem besonderen Masse gefordert. Doch welche Besonderheiten gibt es und was passiert, wenn aus kleinen Patienten grosse Patienten werden?

Der Bereich Kinderonkologie gehört in der Medizin zu den Abteilungen mit den grössten Herausforderungen. Nicht nur die Erkrankten selbst, auch die Eltern und Geschwister der betroffenen Kinder müssen mit dem Schock der Diagnose und der anhaltenden Sorge um das Kind klarkommen. Immerhin erkranken pro Jahr circa 200 Kinder und Jugendliche an Krebs. Fast die Hälfte der Patienten ist jünger als vier Jahre. Auch für die Mediziner ist die Arbeit an den kleinen Menschen eine grosse Aufgabe, die nicht eins zu eins mit der Krebstherapie bei Erwachsen verglichen werden kann und deshalb in speziellen Kinderonkologiezentren behandelt wird.

Survivor in Kinderschuhen

Die Prognose für die an Krebs erkrankten Kinder liegt mit einer 80-prozentigen Überlebensrate recht hoch, auch wenn sie dafür häufig viele Wochen und Monate in spezialisierten Spitalen behandelt werden müssen. In der Medizin nennt man diese kleinen Patienten liebevoll Survivor, weil sie in jungen Jahren den Krebs überlebt haben. Massgeblich für den Erfolg ist dabei eine adäquate Therapie.
Um den Krebs zu «besiegen», erhalten Kinder häufig aggressive Medikamente oder Bestrahlungen, die noch viele Jahre nach Therapieende Spätfolgen wie unter anderem neue Tumore oder hormonelle Störungen mit sich bringen können. Die Nachsorge der jungen Krebspatienten ist daher enorm wichtig. Solange die Kinder klein sind und im Kinderspital betreut werden, ist die Behandlung und Betreuung gewährleistet. Werden sie älter, kommt es in der Grauzone vom Kindes- zum Erwachsenalter häufig zu dem Problem, dass die Spezialisten fehlen und die Nachbetreuung nicht mehr sichergestellt ist. Als Folge müssen die Patienten dann häufig ins Kinderspital zurück.
Um die Situation europaweit zu analysieren, hat die Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe SPOG eine Umfrage durchgeführt, die zeigt, dass in Europa dringend Nachsorgeprogramme für Kinder benötigt werden, damit aus geheilten Kindern keine kranken Erwachsenen werden.