Unternehmensbeitrag / Mastdarmkrebs

«Mastdarmkrebs erfordert interdisziplinäre Behandlung im Team»

Von Spital Uster · 2015

Das Spital Uster hat als einziges Spital in der Region den Leistungsauftrag, Operationen am Mastdarm durchzuführen. Ein Beleg für die Erfahrung des Behandlungsteams und ausgedehnte Qualitätsstandards.

Prof. Dr. Melcher, wie entsteht Mastdarmkrebs und welche Symptome treten auf?

Aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, den sogenannten Polypen. Aus diesen entsteht über die Jahre Krebs. Mastdarmkrebs kann über längere Zeit ohne Symptome einhergehen. Daher sollten grundsätzlich ab dem 50. Altersjahr Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden, bei Darmkrebs in der Familie eventuell schon früher. Typische Symptome, die auf eine Erkrankung hinweisen, sind Blut auf dem Stuhl- oder Hygienepapier, Veränderungen der früheren Stuhlgewohnheiten, Gewichtsverlust und gelegentlich auch Schmerzen.

Um Befunde zu stellen, arbeiten Sie in Ihrer Klinik mit Hightech.

Ja, im Hinblick auf die zu wählende Therapieform sind Grösse und Ausdehnung eines Mastdarmkrebses entscheidende Faktoren. Grundsätzlich kommen neben einer chirurgischen Behandlung auch der Einsatz einer Strahlentherapie und/oder einer Chemotherapie in Betracht. Um die Befunde möglichst genau zu erheben, sind Darmspiegelung, Computertomographie, Magnetresonanztomographie (MRT) und in der Regel auch eine Ultraschalluntersuchung des Enddarmes notwendig.

Einen individuellen Behandlungsplan besprechen Sie in einer Tumorkonferenz mit mehreren Ärzten. Was für Spezialisten kommen da zusammen?

An dieser Besprechung nehmen Magen-Darm- Spezialisten, Chirurgen, Röntgenärzte, Strahlentherapeuten, Onkologen und Pathologen teil. Hier werden sämtliche Befunde eines Patienten dargestellt und diskutiert – und in der Gesamtschau aller Disziplinen wird ein Therapieplan festgelegt. So wird zum Beispiel bei einem fortgeschrittenen Tumorstadium vor der Operation eine kombinierte Bestrahlung mit Chemotherapie durchgeführt – mit dem Ziel einer Verkleinerung des Tumors. Dadurch steigen die Heilungschancen, da der Krebs eher chirurgisch vollständig, also radikal, entfernt werden kann.

Falls operiert werden muss: Was passiert während des Eingriffs?

Bei der Operation muss in der Regel der mit Krebs befallene Mastdarm entfernt werden. Die verbleibenden Darmenden werden, wenn immer möglich wieder miteinander vernäht. Nur wenn dies nicht möglich ist, etwa bei Krebs, der sehr nahe am Schliessmuskel liegt, muss ein dauerhafter künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Heute werden, um den Mastdarmkrebs zu entfernen, möglichst schonende Operationsmethoden angewandt.

Ja, das stimmt. In vielen Fällen kann heute der Eingriff mit der Schlüssellochtechnik, der sogenannten Laparoskopie, durchgeführt werden, unter Umständen auch unter Zuhilfenahme eines Operationsroboters. Dieser Entscheid muss jedoch für jeden Patienten individuell gefällt werden.

Die Zahl der Patienten, die als Folge des Krebses nach einer Operation mit einem künstlichen Darmausgang, Stoma genannt, leben müssen, ist in den letzten Jahren gesunken.

Der Grund liegt darin, dass heute die Chirurgie über technisch sehr ausgeklügelte Hilfsmittel verfügt, die es erlauben, auch unter schwierigen Verhältnissen, nämlich ganz tief im kleinen Becken, eine Darmnaht anzulegen. Zudem spielt auch die oben beschriebene Zusatzbehandlung in Form einer Bestrahlung und/oder Chemotherapie, die zu einer Verkleinerung des Tumors führt, eine Rolle.

Wie sehen die Untersuchungen nach einer erfolgreichen Behandlung aus?

Patienten müssen sich in der Regel über einen Zeitraum von fünf Jahren regelmässigen Untersuchungen unterziehen, dazu gehören Labortests, Darmspiegelung, Computertomographie und Ultraschall des Enddarmes. Ziel dieser Untersuchungen ist es, eventuelle Rückfälle der Krankheit frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Wie sind die Heilungschancen bei Mastdarmkrebs generell?

Über alle Tumorstadien hinweg liegen die Heilungschancen bei etwa 50 Prozent. Wichtigster Faktor ist das Tumorstadium. Aber auch der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sowie Art und Qualität der durchgeführten Behandlung spielen eine grosse Rolle. Zahlen zur Prognose sind immer Durchschnittswerte, die an vielen Tausenden von Patienten erhoben wurden. Sie geben eine gewisse Wahrscheinlichkeit für den Ausgang der Erkrankung wieder. Eine genaue Vorhersage für den einzelnen Patienten ist aber immer schwierig.

Im ​Interview

Prof. Dr. med. Gian A. Melcher
Facharzt FMH für Chirurgie
Schwerpunkt Viszeralchirurgie
Chefarzt Chirurgie Spital Uster
Stv. Spitaldirektor
www.spitaluster.ch