Unternehmensbeitrag / Eierstockkrebs

«Mit vereinten Kräften gegen den Eierstockkrebs»

Von Universitätsspital Basel · 2015

Die Diagnose Eierstockkrebs ist ein Schock, zählt er doch zu den aggressivsten Tumoren. Zwei Patientinnen berichten, wie sie den Kampf gegen die schwere Erkrankung gewonnen haben.

Im Interview
Prof. Dr. med. Viola Heinzelmann
Leiterin Gynäkologisches Tumorzentrum am Universitätsspital Basel ​

Prof. Dr. med. Viola Heinzelmann erläutert, was ein Ovarialkarzinom ist und wodurch die interdisziplinäre Behandlung am Gynäkologischen Tumorzentrum gekennzeichnet ist.

Prof. Heinzelmann, unter den gynäkologischen Krebsarten besonders heimtückisch ist der Eierstockkrebs. Was macht ihn so gefährlich?

Der Eierstockkrebs ist deswegen so heimtückisch, weil er zwar Symptome bereitet, die jedoch sehr unspezifisch sind und bei jeder Frau immer wieder auftreten können. Hierzu zählen unspezifische Bauchschmerzen, Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Blähungen oder Bauchumfangs-
zunahme. Deshalb werden Patientinnen initial von ihrem Hausarzt zumeist zu einem Gastroenterologen geschickt, bevor eine gynäkologische Ursache in Betracht gezogen wird. Leider werden so Ovarialkarzinome häufig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, wenn die Prognose bereits schlechter ist.

Wodurch zeichnet sich die Arbeit am Gynäkologischen Tumorzentrum Basel aus?

Der Kern unserer Angebote ist das wöchentliche GynOnk-Meeting, in dem wir alle stationären Krebs-Patientinnen im interprofessionellen und interdisziplinären Rahmen besprechen. Involviert sind die Pflege, die gynäkologischen und medizinischen Onkologen, Diätberater, Sozialarbeiter, Psycho-Onkologen, Case Manager, Cancer Nurses, Pharmazeuten, Schmerzspezialisten, Ethiker, Physiotherapeuten und Palliativmediziner. Dieses Meeting ist ideal, um alle Experten einzubeziehen, sodass jede Patientin die bestmögliche Unterstützung erhalten kann.

Die Symptome sind oft unspezifisch und Karzinome werden daher erst spät entdeckt.

Worauf legen Sie bei der Behandlung grossen Wert?

Vor allem darauf, dass jede Patientin hoch kompetent, nach neuestem wissenschaftlichen Kenntnisstand und ebenso freundlich, einfühlsam und persönlich betreut wird. Die Verbindung zwischen Zentrumsklinik und herzlicher Betreuung in einem kleinen Team muss hier kein Widerspruch sein. Wir unterstützen zudem anthroposophische Aspekte und schicken die Patientinnen zu entsprechenden Spezialisten, haben aber intern auch Angebote wie Massage und Akupunktur.

Was raten Sie Frauen generell, um dem Ovarialkarzinom möglichst erst gar keinen Wachstumsnährboden zu geben?

Im Gegensatz zum Brust- oder Gebärmutterhalskrebs gibt es weder Vorsorge für den Eierstockkrebs noch Screening-Verfahren. Jedoch können wir Patientinnen mit einem genetischen Risiko früh entdecken und vorbeugende Massnahmen einleiten. Dies gilt insbesondere für jene Frauen mit sogenannten BRCA-Mutationen. In Familien, die diese Genveränderungen tragen, kommen oftmals vor dem 50. Lebensjahr gehäuft Brust-, Eierstock-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs vor. Sind diese Erkrankungen in den vergangenen drei Generationen aufgetreten, rate ich dazu, eine genetische Beratungsstelle aufzusuchen. Bei erhöhtem Risiko kann das bedeuten, dass die Einnahme der Verhütungspille für fünf Jahre oder die Entfernung der Eierstöcke beziehungsweise Eileiter nach dem 40. Lebensjahr notwendig ist.

Gibt es aktuelle Forschungsansätze, an denen Sie arbeiten?

Der Schwerpunkt meiner Forschung liegt beim Eierstockkrebs. Wir haben einige sehr innovative Publikationen kurz vor dem Erscheinen, die alle in die Richtung Immunotherapie weisen. Wir sind dem Verständnis dieser Erkrankung bereits weit auf den Grund gegangen, können klinisch gleich wirkende Tumoren nach ihrer Genetik unterscheiden und sind an der Entwicklung geeigneter Therapien dran. Forschung braucht aber natürlich Zeit und finanzielle Unterstützung, das heisst, wir und andere können hier nur in dem Rahmen weiter arbeiten, in dem man uns unterstützt.

Im Interview
Jungsook Lee-Oh
Patientin

Das Gynäkologische Tumorzentrum betreut – gemeinsam mit dem zuweisenden Arzt – Manuela Magenau (Name von der Redaktion geändert) und Jungsook Lee-Oh. Beide Patientinnen berichten von ihrer Eierstockkrebserkrankung.

Frau Magenau, wie und in welchem Stadium wurde bei Ihnen Eierstockkrebs entdeckt?

Da ich menstruale Beschwerden und das Gefühl eines Fremdkörpers im Unterleib hatte, begab ich mich zu meinem Frauenarzt, Herrn Dr. Semmelroggen, der mich nach der Untersuchung sofort ans Universitätsspital Basel überwies. Erst bei der Operation konnte festgestellt werden, dass ich Krebs in einem sehr frühen Stadium hatte.

Welche Rolle spielte das Gynäkologische Tumorzentrum Basel, um mit der schockierenden Diagnose umgehen zu können?

Nach der Überweisung ins Spital verlief alles sehr schnell. Vor der Operation hatte ich im Beisein meiner Familie ein aufschlussreiches Gespräch mit Prof. Heinzelmann. Ihr Wissen, ihre Offenheit und natürliche und herzliche Art haben uns allen Kraft gegeben, die weiteren Schritte anzugehen. Neben dem medizinischen Team hatte ich mit Prof. Heinzelmann und später auch mit Dr. Montavon zwei Ärztinnen an meiner Seite, die mich fachlich und menschlich stets hervorragend begleitet haben. Einerseits die hohe Professionalität und Belastbarkeit, andererseits vor allem auch die spürbare Fürsorge um mein Wohlergehen haben mich überzeugt und beeindruckt. Das rasche Eingreifen des Ärzteteams verkürzte mir die Zeit der Unsicherheit. Die Gewissheit nach der Operation, wahrhaftig an Krebs erkrankt zu sein, schmerzte anfangs sehr, ermöglichte es mir aber auch, mich konkret der Wahrheit zu stellen und mich mit ihr auseinanderzusetzen. Ich konnte meine Kräfte mobilisieren und unterzog mich einer Chemotherapie. Bei Unsicherheiten und Komplikationen hatte ich immer eine Ansprechperson, die mich ernst genommen hat. Durch das Vertrauen in das Ärzteteam fiel es mir nicht schwer, mich strikt an die medizinischen Ratschläge zu halten. Ich stellte mir für die Zeit der Chemotherapie im Rahmen meiner Möglichkeiten einen persönlichen Plan von Aufgaben zusammen. Dieser half mir, die schwierige, mehrere Monate dauernde Zeit sinnvoll durchzustehen. Mein Ziel war es, gesund zu werden, um mein gewohntes Leben wieder aufzunehmen, was ich glücklicherweise geschafft habe.

Was gab Ihnen am meisten Kraft, den Krebs zu bekämpfen?

Neben den äusserst guten Rahmenbedingungen war für mich meine Familie – samt der Katzen – ganz zentral. Ich habe zu jeder Zeit ihre Unterstützung gespürt. Zudem halfen mir meine Freunde und Verwandten sowie mein berufliches Umfeld in sehr grossem Masse, die Krankheit zu bewältigen. Abgesehen von dem notwendigen Quantum Glück, spornten mich meine Kämpfernatur und mein Lebenswille an, vorwärts zu schauen. Nicht zuletzt war es mein Ziel, Grossmama zu werden. Ich bin allen, die mir in jener Zeit geholfen haben, sehr dankbar.

Frau Lee-Oh, wie haben Sie von der Schock- Diagnose Ovarialkarzinom erfahren?

Es war eher ein Zufall. Ich hatte keinerlei Symptome für diese Krankheit gehabt. Auch ging ich regelmässig zur gynäkologischen Kontrolle. Auffällig waren jedoch einige Monate zuvor starke Hautausschläge im Rückenbereich, die mir grosse Sorgen machten. Mein Dermatologe fand deren Art nicht ganz normal und ordnete – auch weil ich vor 17 Jahren Brustkrebs hatte – eine entsprechende Blutuntersuchung an. Diese zeigte einen ungewöhnlich hohen Tumorwert. Weitere Untersuchungen brachten dann die Gewissheit, dass ich Krebs hatte.

Wodurch war Ihre Krebstherapie in den ersten Wochen nach der Diagnose geprägt?

Nach einem sehr schnell zustande gekommenen, ausführlichen Gespräch mit Prof. Heinzelmann entwickelte ich schnell grosses Vertrauen zu ihr und zum Universitätsspital Basel. Obwohl ich nicht privat versichert war, geschah alles sehr schnell und unkompliziert. Obwohl ich nach den verschiedenen Untersuchungen jedes Mal ziemlich beunruhigt und erschöpft war, hat mir Prof. Heinzelmanns positive Ausstrahlung wieder Mut gegeben, weiter zu kämpfen.

Hatten Sie starke Nebenwirkungen während und nach der Behandlung?

Vor allem hatte ich starke Muskelschmerzen und Durchfall. Auch litt ich unter Schlaflosigkeit. Prof. Heinzelmann erkannte meine schlimme Lage, sodass ich eine stationäre Chemotherapie haben durfte. Nach der Infusion konnte ich jeweils einige Tage im Spital bleiben und wenn notwendig direkt Hilfe bekommen.

Inwiefern hat sich Ihr Leben seit der Erkrankung verändert?

Vor meiner Erkrankung habe ich als Konzertpianistin viel gespielt, Konzerte organisiert und unterrichtet. Auch wenn ich nach der Operation meine musikalische Tätigkeit fast vollständig ruhen lassen musste, habe ich meine Freude an der Musik nicht verloren. Ich nehme sie jetzt sogar noch bewusster wahr. Oft habe ich in der Rehaklinik für mich allein Klavier gespielt. Häufig kamen Leute vorbei, hörten meinem Spiel zu, weinten und bedankten sich bei mir. Es war für mich und die Anwesenden ein unbeschreibliches Gefühl. Da habe ich richtig die Kraft der Musik gespürt. Auch geniesse ich den gewöhnlichen Alltag viel bewusster. Ich konzentriere mich als stolze zweifache Mutter noch viel mehr auf meine wunderbare Familie.

Welche begleitenden Programme haben Sie am Gynäkologischen Tumorzentrum Basel wahrgenommen?

Ich war sehr erstaunt, als Prof. Heinzelmann mir neben der schulmedizinischen Behandlung noch Möglichkeiten für die alternative Medizin aufzeigte. Auch heute gehe ich immer noch zur Akupunktur, Mistel- und Physiotherapie, was zusammen kombiniert mein Wohlbefinden stark erhöht. Während der Chemotherapie kam damals auch schon alle drei Wochen eine Psychologin zu mir. Mit ihr konnte ich während der Infusion sehr intensive Gespräche führen, was für mich eine grosse Unterstützung bedeutete.

Inwiefern haben Ihnen die Zusatzprogramme geholfen, den Alltag nach dem Spital-Aufenthalt bewältigen zu können?

Die Zusatzprogramme sollten vor allem meine Glieder- und Muskelschmerzen lindern. Durch das Gespräch mit den Fachleuten konnte ich meinen Körper viel besser kennenlernen und mir bei ihnen immer die notwendige Hilfe holen. Für mich war es wichtig, das Gefühl zu haben, dass ich nach der Behandlung nicht auf mich allein gestellt bin.