Multiples Myelom

Moderne Krebs­thera­pien für bessere Prognosen

Von Tobias Lemser · 2016

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasma­zellen im Knochenmark. Neuere Medikamente halten auch bei älteren Patienten den Krebs länger in Schach.

Mit alljährlich 500 bis 600 Erstdiagnosen zählt das Multiple Myelom in der Schweiz zu den seltenen Krebsarten. Die bösartige Erkrankung der Plasmazellen wird zumeist um das 70. Lebensjahr entdeckt. Da die Symptome vielschichtig und oftmals unspezifisch sind, leben viele Patienten bereits über mehrere Monate mit Beschwerden, bevor das Multiple Myelom diagnostiziert wird. Anzeichen können Knochenschmerzen ± zumeist im Bereich des Stammskeletts ± sein. Betroffene Patienten fühlen sich zudem häufig abgeschlagen, neigen häufiger zu Infekten und verlieren aus unerklärlichen Gründen an Gewicht. Zwar sind die genauen Ursachen des Multiplen Myeloms weitestgehend ungeklärt. Neben seltenen familiären Häufungen ist jedoch bekannt, dass sich bei Menschen, die Strahlen und bestimmten Pestiziden ausgesetzt waren, das Risiko für die Entstehung der Erkrankung erhöhen kann. «Damit Organe wie Knochen oder Nieren nicht bereits irreversibel geschädigt werden, ist es wichtig, ein behandlungsbedürftiges Multiples Myelom so früh wie möglich zu erkennen und von einem Spezialisten behandeln zu lassen», sagt PD Dr. med. Ulrich Mey, Leitender Arzt der Medizinischen Onkologie und Hämatologie am Kantonsspital Graubünden.

Neueste Medikamente besser verträglich

Welche Therapie sinnvoll ist, hängt in erster Linie vom biologischen Alter des Patienten ab. Neben klassischen Chemotherapeutika kommen heute vermehrt zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. «Sie sind in der Lage, das Leben auch älterer Patienten mit Multiplem Myelom, bei denen eine hochdosierte Chemotherapie nicht möglich ist, zu verlängern», so Dr. Mey. Da zurückbleibende Tumorzellen bei beinahe allen Myelom-Patienten früher oder später zu einem erneuten Aufleben der Krankheit führen, gewinnen kontinuierlich angewandte Therapien zunehmend an Bedeutung. Oral verabreicht können die Medikamente die Tumorzellen direkt und indirekt über die Aktivierung von körpereigenen Immunmechanismen oft über lange Zeit in Schach halten. Wie aktuelle Studien bestätigen, tragen diese Präparate gerade bei langen Therapien zu einer verbesserten Verträglichkeit bei.