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Interview

«Onkologische Reha gibt Krebspatienten neue Kraft»

Von Dr. Stephan Eberhard - Kliniken Valens · 2016

Die Sporttherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Reha.

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz
rund 38‘000 Menschen an Krebs.
Dr. Stephan Eberhard erläutert,
welche Bedeutung onkologische Rehabilitationsmassnahmen in der Therapie haben.

Dr. Eberhard, die onkologische Rehabilitation ist ein
noch relativ junges Fachgebiet.
Warum ist sie bei der Behandlung von Krebs so wichtig? 

Wir haben heute Krebstherapien, die so effizient sind, dass weit über die Hälfte der Betroffenen über viele Jahre mit der Erkrankung leben können. Jedoch können die sehr aggressiven Behandlungen Organe wie Herz und Niere, aber auch Nerven teils erheblich schädigen. Viele Patienten fühlen sich körperlich schwach, haben Schmerzen, Depressionen und vor allem Ängste – auch vor der Rückkehr in den Alltag. Und genau hier setzt die onkologische Rehabilitation an: Sie begleitet die Betroffenen, damit sie wieder autonom am Leben teilnehmen können.

In welcher Therapiephase sollten die Reha-Massnahmen idealerweise beginnen?

Vor allem sind sie nach einer operativen Tumorentfernung respektive nach Abschluss der Tumorbehandlung sinnvoll. Aber auch zur Vorbereitung auf eine Chemo-, Strahlen- oder Immuntherapie sowie zur Behandlung von Komplikationen, wenn beispielsweise Metastasen auftreten, haben onkologische Reha-Massnahmen einen hohen Stellenwert.

Welche Therapien halten Sie für besonders wichtig?

Noch vor einer psychologischen Behandlung sollte eine Sport- und Bewegungstherapie stehen. Ebenso wichtig sind eine problemorientierte Physio- und Ergotherapie sowie eine Ernährungstherapie und entspannende Massagen. Auch rate ich neben der spirituellen Begleitung dazu, musiktherapeutische und psychoonkologische Massnahmen in die Therapie einzuschliessen, wobei auch die Lebensperspektive betrachtet werden sollte. Basis des kompletten Programms muss jedoch eine umfassende Behandlung der Krankheit und ihrer Symptome sein.

Wie ist das Programm organisiert, damit die Patienten nicht überfordert werden?

Zunächst wird ein individuell auf den Patienten zugeschnittenes, realistisches Ziel festgelegt. Das Programm muss gut dosiert sein und darf die Patienten nicht über-, aber auch nicht unterfordern. Wichtig ist ebenso, die Rehabilitation ganzheitlich zu sehen – immer mit dem Ziel, körperlich wieder besser «in Schuss» zu sein.

Wie sollte das Betreuerteam zusammengesetzt sein? 

Es wird vor allem Personal benötigt, das grosse Erfahrung mit Krebskranken hat und zudem interdisziplinär zusammenarbeitet. Darin involviert sind Mediziner, Pflegefachkräfte, Therapeuten verschiedener Fachrichtungen wie Physio-, Sport- und Ergotherapeuten, aber auch Psychiater und Seelsorger. Nur so können die Krebspatienten auch in Zukunft optimal betreut und behandelt werden.

Im Interview

Dr. StephanEberhard
Chefarzt
Rehabilitations­zentrum Walenstadtberg