Krebs bei Kindern

Schrecklich, aber häufig heilbar

Von Gabriele Hellwig · 2014

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 200 Kinder neu an Krebs. Knapp die Hälfte der Betroffenen ist jünger als vier Jahre. Die Diagnose verändert das Leben dieser Kinder, aber auch der Eltern und Geschwister.

Die Diagnose Krebs verändert das Leben von einer Sekunde auf die andere. Der Schock ist immer gross. Noch grösser ist er aber, wenn ein Kind an einem bösartigen Tumor erkrankt. Es hat eigentlich das ganze Leben noch vor sich. Für die Eltern bricht eine Welt zusammen. Unterschiedliche Symptome können bei einem Kind auf eine Krebserkrankung hindeuten: zum Beispiel eine ungewöhnliche Wölbung des Bauches, anhaltendes Fieber oder unerklärliche Schmerzen. Bei Leukämie werden Kinder im Allgemeinen zunehmend müde, fühlen sich abgeschlagen, manchmal bekommen sie Blutergüsse. Bei Hirntumoren gibt es Kinder, die zunehmend in den Morgenstunden erbrechen. Es gibt aber immer wieder Kinder, die kaum oder keine Beschwerden zeigen. Der Krebs wird häufig vom Kinderarzt durch Zufall beim Impfen oder bei einer Routineuntersuchung entdeckt.

Anderer Krebs als bei Erwachsenen

Das Bundesamt für Statistik in Neuchâtel registrierte im Zeitraum von 2006 bis 2010 im Durchschnitt jährlich rund 175 Neuerkrankungen und weniger als 25 Todesfälle. Seit Anfang der 90er Jahre ist die Zahl der Krebsneuerkrankungen pro Jahr relativ konstant geblieben; die Mortalität hat leicht abgenommen. Trotzdem sind Krebserkrankungen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern.
Kinder haben in der Regel andere Krebserkrankungen als Erwachsene. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik kommen bei Kindern Leukämien mit 32 Prozent am häufigsten vor, gefolgt von Tumoren des zentralen Nervensystems (21 Prozent) und Lymphomen (13 Prozent). Einige Krebsformen treten sogar nur bei Kindern auf. Dazu zählen Geschwülste, die aus noch nicht vollständig entwickeltem Gewebe entstehen, zum Beispiel aus unreifem Nieren- oder Nervengewebe. Das sogenannte Neuroblastom ist der häufigste bösartige Tumor bei ganz kleinen Kindern.

Behandlung in Spezialkliniken

In der Schweiz sollen krebskranke Kinder und Jugendliche nur noch in Spezialkliniken behandelt werden, entschied kürzlich das Beschlussorgan der Kantone für hoch spezialisierte Medizin. Mit dieser Konzentration soll einerseits die Qualität gesichert werden, andererseits sollen Kosten gespart werden.
Krebs bei Kindern verläuft anders und die Behandlung unterscheidet sich von der bei Erwachsenen. In der Regel sind die Tumorzellen sehr empfindlich und vermehren sich schnell. Das wiederum hat aber den Vorteil, dass Therapien meist sehr gut anschlagen. Mehr als drei Viertel der Kinder können geheilt werden.
Die Chemotherapie ist vor allem bei Leukämie die Therapie der Wahl. Ist der Tumor lokal begrenzt, bietet sich eine Operation an. Auch eine Strahlentherapie kann in einigen Fällen sinnvoll sein. Experten raten zur Vorsicht, da durch die Strahlen nicht nur die Krebszellen zugrunde gehen, sondern mitunter auch gesunde Zellen.