Interview

«Selbsthilfe lindert die Angst»

Von Schweizerische Patientenorganisation für Lymphombetroffene und Angehörige · 2016

Rosmarie Pfau hatte ein Lymphom, fühlt sich aber seit ihrer Stammzelltransplantation gesund. Sie weiss, wie wichtig für Betroffene auch die emotionale Unterstützung ist.

Was bedeutet die Diagnose Lymphom? 

Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock und verändert das Leben für Betroffene und deren Angehörige mit einem Schlag. Viele hören zum ersten Mal den Begriff Lymphom und sind zudem häufig mit den komplexen Informationen zur Therapie überfordert. Das verunsichert und macht Angst. 

Hier kommt die Patientenorganisation ins Spiel…

Richtig. Wir stellen neben Broschüren laienverständliches Informationsmaterial zur Verfügung. Ganz nach dem Motto «Wissen statt Angst». Ausserdem beraten wir Patienten persönlich am Telefon oder per E-Mail. Bei Bedarf vermitteln wir Adressen von Fachstellen, wie etwa die kantonalen Krebsligen und auf Wunsch auch Kontakt zu Gleichbetroffenen. ho/noho ist national und international gut vernetzt. Unser Engagement ist ehrenamtlich und um den Fortbestand dieser Dienstleistung zu sichern, wären wir für eine finanzielle Förderung der Organisation sehr dankbar.

Wie wichtig ist der Austausch mit Gleichbetroffenen?

Die Selbsthilfe hat in der Gesundheitsversorgung ihren festen Platz und kann dazu beitragen, den Umgang mit der Krankheit zu verbessern. In Gesprächsgruppen können sich Betroffene in geschütztem Rahmen aktiv und konstruktiv mit der Erkrankung auseinandersetzen und sich gegenseitig ermutigen, denn Hoffnung ist lebenswichtig. 

Eine grosse Herausforderung für Betroffene ist die «Watch-and-Wait-Strategie» bei indolenten, sprich langsam wachsenden Lymphomen. Was bedeutet das?

Darunter versteht man eine Behandlungsstrategie, bei der die Patienten regelmässig und engmaschig kontrolliert, jedoch nicht regelmässig behandelt werden. Erst wenn die Krankheit fortschreitet, werden entsprechende Therapien eingeleitet. Die abwartende Haltung ist medizinisch sinnvoll, doch für manche Betroffene eine enorme emotionale Belastung. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene und ihre Angehörigen eine Anlaufstelle kennen, wo sie entsprechende Unterstützung erhalten, wie zum Beispiel in einer Gesprächsgruppe mit Gleichbetroffenen.

Im Interview

Rosmarie Pfau
Präsidentin ho/noho
Schweizerische Patientenorganisation für
Lymphombetroffene und Angehörige
www.lymphome.ch