Interview

«Stiftungen schliessen Lücken in der Palliativmedizin»

Von Zürcher Lighthouse AG · 2016

Prof. Dr. med. Urs Martin Lütolf über die Bedeutung der Palliativ Care und die Rolle von Stiftungen in der Versorgung von unheilbar kranken Menschen.

Trotz grosser Fortschritte in der Onkologie, ist Krebs nicht immer heilbar. Für Patienten mit einer begrenzten Lebenserwartung ist die Palliativversorgung sehr wichtig...

In der Tat. In dieser von Ungewissheit und Angst geprägten Lebensphase brauchen Patientinnen und Patienten, aber auch ihre Angehörigen, gezielte Hilfe, um die verbleibende Zeit in Würde gestalten zu können. Das Ziel der Palliative Care ist eine gute Lebensqualität für diese Zeit zu gewährleisten. Die Kommunikationsfähigkeit ist von grosser Bedeutung, um zu verhindern, dass Betroffene sozial ausgeschlossen werden.

Was bedeutet das konkret?

Die Palliative Care hilft mit gut überlegten medizinischen Massnahmen und pflegerisch-therapeutischen Leistungen, Gesprächen, Begleitung und spiritueller Unterstützung diese Ziele zu erreichen. Belastendes wird dabei nicht wegdiskutiert, sondern bewusst thematisiert. Auch ist zu beachten, dass jeder Mensch Lebensqualität anders definiert und sie sich im Laufe der Zeit anders darstellt. Bestimmte Dinge werden im Verlauf der Krankheit neu bewertet, in einen anderen Rahmen gegeben, man spricht auch vom «Refraiming». So ist Mobilität für Gesunde in der Regel sehr wichtig, für einen unheilbar kranken Menschen können andere Dinge wie emotionale Bindungen in den Vordergrund rücken. Dies sollte in der Behandlung und Betreuung von Patienten berücksichtigt werden.

Wie werden die Angebote der Palliative Care finanziert?

Palliative Care ist angesichts des Bedürfnisses nach selbstbestimmten Leben und der immer älter werdenden Bevölkerung von grosser Bedeutung. Sie ist als Teil der Medizin etabliert. In der Schweiz sind die Möglichkeiten der Versorgung per se gut, allerdings ist die Finanzierung nur teils geregelt. Das Gesundheitswesen wird immer wieder von unerwarteten Dingen - siehe AIDS-Epidemie Mitte der 1980er-Jahre - und den damit verbundenen Kosten überrollt. Hier sind Stiftungen eingesprungen, die auch in der heutigen Zeit, in der Krebs die häufigste Diagnose ist, diese finanzielle Lücke in der Palliativmedizin schliessen.

Im Interview

Prof. Dr. med. Urs Martin Lütolf
Verwaltungspräsident der Zürcher Lighthouse AG
www.zuercher-lighthouse.ch