Chirurgie

Von Schlüssellöchern und Robotern

Von Corinna Tonner · 2016

Die Roboterchirurgie hält Einzug in die OP-Säle.

Die Tumorchirurgie macht enorme Fortschritte. Eingriffe werden immer schonender und präziser. Das erhöht die Heilungschancen und macht Tumoren operabel, die früher nicht entfernt werden konnten.

In Hinsicht auf Überlebenschancen und Lebensqualität hat sich viel getan in der Tumorchirurgie. Ein Beispiel ist der künstliche Darmausgang, der heute eher die Ausnahme ist als die Regel. Nahezu 90 Prozent der Patienten, die wegen Enddarmkrebs operiert werden, brauchen nach der Operation nicht mehr dauerhaft einen künstlichen Ausgang.

Schneller wieder auf den Beinen

Ob und in welcher Form ein Tumor operiert werden sollte, entscheidet ein Team aus Chirurgen, Radiologen und Onkologen in einem interdiszipli-nären Tumorboard von Fall zu Fall. Denn jeder Krebs ist anders, mache Tumoren sind zudem inoperabel. Vor einer grossen OP werden in spezialisierten Krebszentren mit einem 3D-Modell vorab am Bildschirm die einzelnen Schritte bis ins Detail geplant. Neben verbesserten Bildgebungsverfahren führen auch neue Techniken in der onkologischen Chirurgie zu immer besseren Ergebnissen. Stichwort «Schlüssellochchirurgie». Minimal-invasive Verfahren sind bei vielen Tumorarten bereits Standard. Über kleine Schnitte werden die OP-Instrumente und eine Kamera eingeführt und die vergrösserten Bilder aus dem Körperinneren auf einen Bildschirm übertragen. Selbst die Entfernung eines kompletten Lungenflügels konnte bereits minimal-invasiv über einen nur fünf Zentimeter langen Schnitt durchgeführt werden. Neben der geringeren Belastung für den Körper, erholt sich der Patient nach der OP sehr viel schneller.

Immer mehr Hightech-Unterstützung

Auch hält immer mehr Hightech Einzug in die OP-Säle. Roboter gehen immer häufiger Chirurgen zur Hand - hauptsächlich bei der Entfernung von Tumoren an der Prostata, Niere oder Blase. Mit ihnen wird dem Chirurgen ein innovatives Werkzeug an die Hand gegeben, das einen besonders schonenden und sehr präzisen Eingriff ermöglicht. So funktioniert's: Eine Art endoskopisches Handgelenk hält die Instrumente und führt vorab oder während der OP vom Chirurgen programmierte Befehle aus. Er arbeitet also nicht mehr direkt am Patienten, sondern dirigiert, verfolgt und überwacht von einer Konsole aus den Eingriff über einen Monitor, wobei die Videokamera ihm einen bis zu 15-fach vergrösserten 3D-Blick in das Innere des Patienten ermöglicht. Im Fall von Prostatakrebs führt das nerven- und potenzerhaltende Verfahren zu deutlich weniger Komplikationen. Doch egal, um welche innovative Technik es sich auch handelt, den erfahrenen Chirurgen wird sie auch in Zukunft nicht ersetzen können.