Brustkrebs

Vorsorge nutzen

Von Mike Passmann · 2014

Veränderungen der Brust sollten jede Frau aufhorchen lassen, denn sie können auf ein Mammakarzinom hinweisen. Das Angebot an Therapien ist weit gestreut, die Erhaltung der Brust steht dabei stets im Mittelpunkt.

Brustkrebs ist – wie die meisten anderen Krebsarten auch – bei frühzeitiger Diagnose sehr gut behandel- und häufig auch heilbar. Allerdings ist er noch immer die häufigste Krebserkrankung bei den Eidgenossinnen, knapp über 19 Prozent aller weiblichen Krebstodesfälle gehen auf ihn zurück. Am häufigsten erkranken Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Der Vorsorge fällt hier generell eine wichtige Rolle zu – und zwar bereits vor dem genannten «Risikoalter». Vor allem durch regelmässiges Selbstabtasten erlangt jede Frau gute Kenntnis über die Beschaffenheit der eigenen Brüste. Rötungen und Einziehungen der Brustwarzen können mitunter Anzeichen für ein Mammakarzinom sein; allerdings kommen sie auch als Symptome für viele weitere Krankheiten infrage. Veränderungen sollten durch die ständige Selbstbeobachtung wahrgenommen und alsbald professionell abgeklärt werden, zum Beispiel durch Mammografie, Sonografie, Blutuntersuchungen, Skelettszintigrafien und Biopsien. Übrigens gibt es jedes Jahr auch gut 40 Männer, die in der Schweiz an Brustkrebs erkranken, zehn sterben an ihm – vor allem aus Unwissenheit darüber, dass es auch Männer treffen kann. Veränderungen an der Brust sollten auch sie von einem Gynäkologen oder an einem zertifizierten Brustzentrum abklären lassen.

Vorsorgeuntersuchungen wichtig

Frauen ab einem Alter von 50 Jahren beziehungsweise ab der Menopause sollten ihre Brüste alle zwei Jahre bei einem Mammografie-Screening auf Tumoren untersuchen lassen, da das Brustkrebsrisiko ab diesem Alter ansteigt. Die Mammografie-Technik hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. So wird die 3-D-Mammografie, die sogenannte Tomosynthese, immer häufiger eingesetzt. Sie ermöglicht lückenlose Schichtaufnahmen der gesamten Brust, stellt Knoten und auffällige Stellen besser dar, auch wenn sie sehr klein sind. Auch ist die neue Technik komfortabler, da sich die Patientin bei der Untersuchung anlehnen kann und nicht mehr frei sitzend oder im liegen erfolgt. Zusätzlich können über eine in das Gerät integrierte Biopsieeinheit gleich gezielt Gewebeproben für weitere Untersuchungen entnommen werden.
Die Befunde erfolgen somit schneller und sind genauer, die Zahl der – nervenzehrenden – Untersuchungen nimmt ab.

Risikofaktoren kennen

Vor allem Hormontherapien in Form der Anti- Baby-Pille sowie Östrogen- und Gestagengabe in der Menopause erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Und wie bei den meisten anderen Krebsarten auch, können Übergewicht, Alkohol und Tabakkonsum das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Sind beispielsweise Schwester oder Mutter an Brustkrebs erkrankt, gibt es also eine sogenannte familiäre Disposition, sollten bereits vor dem 50. Lebensjahr Mammografien durchgeführt werden. In diesen Fällen ist eine Untersuchung auf bestimmte Genmutationen angebracht. Sind die Gene BRCA 1 oder BRCA 2 mutiert, steigt das statistische Risiko an Brustkrebs zu erkranken, enorm an: Es liegt dann bei acht von zehn Frauen, insgesamt liegt der Wert bei «nur» eine von zehn Frauen. Um das Risiko einer entsprechenden Erkrankung zu reduzieren, hat sich zum Beispiel die US-Schauspielerin Angelina Jolie vorsorglich die Brüste entfernen lassen – die sogenannte Mastektomie gilt auch unter diesen Voraussetzungen als besonders radikaler Schritt.

Grosse Therapiebreite

Ist die Diagnose Brustkrebs gestellt, steht die Erhaltung der Brust stets im Mittelpunkt der Therapien. In vielen Fällen kommt es zu einer Resektion des Tumors, wobei meist vor allem das Drüsengewebe weitgehend entfernt wird.
Durch Bestrahlung und/oder Chemotherapie werden eventuell noch vorhandene Tumorzellen zerstört. Um nichtbefallenes Gewebe zu schonen, kann unter Umständen eine HER2- Antikörpertherapie erfolgen: In bestimmten Brustkrebszellen kommen bestimmte Oberflächeneiweisse vor, die durch spezielle Medikamente gezielt «angesteuert» werden können, wodurch der Wirkstoff nur dort arbeitet, wo es auch wirklich notwendig ist.

Rekonstruktion erwünscht

Trotz der vielen schonenden Eingriffsmöglichkeiten führt manchmal kein Weg an einer Entfernung von Brustwarze und Vorhof oder gar der gesamten Brust vorbei. Für Psyche und Selbstbild der meisten Frauen ist eine möglichst naturgetreue Rekonstruktion wichtig. Nach der Operation wird häufig eine provisorische Prothese angelegt, nach der Wundheilung dann eine individuell angepasste Prothese. Ein fester Bestandteil der Brustkrebsbehandlung ist aber auch der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe oder einem Implantat. Hierfür kommt in der Regel die Krankenkasse auf. Eine eventuell nötige Anpassung der anderen Brust muss die Patientin indes meist selbst bezahlen. Ebenso wichtig wie die Beseitigung der Krebszellen ist eine engmaschige Nachsorge, durch die neu auftretende Krebsherde rasch entdeckt und behandelt werden können.