Interview

«Wohnortnah und doch nah am Zentrum»

Von Universitätsspital Zürich · 2016

Dr. Axel Mischo erläutert, welche Chancen die Kooperation von Unispitälern und peripheren Spitälern bietet und inwiefern Patienten, Ärzte und Spitäler davon profitieren können.

Dr. Mischo, Sie sind als Onkologe am Unispital Zürich und gleichzeitig im Spital Lachen tätig. Wie gestaltet sich die Kooperation?

Durch meine beidseitige Anstellung ist eine intensivere Zusammenarbeit beider Spitäler im Bereich der Onkologie, aber auch darüber hinaus möglich. Diese unmittelbare Verknüpfung ist genau die Idee unseres Modells: Wir können eine optimale Behandlung im kleinen Spital dadurch anbieten, dass ich auf die komplette Infrastruktur, die ein grosses Universitätsspital bietet, zugreifen kann. Spezielle Fragestellungen kann ich direkt mit den zuständigen Spezialisten am Unispital besprechen.

Worin liegen die Chancen dieser Zusammenarbeit?

Neben der Patientenversorgung wird an einem Universitätsspital medizinische Forschung betrieben. Die Erkenntnisse neuester Diagnostik und Therapien kommen den Patienten zugute. Gleiches gilt für spezielle Operationstechniken oder Bestrahlungsverfahren, die es an kleinen Einrichtungen oftmals nicht gibt. Gerade die Onkologie ist eine Fachrichtung, die sich sehr schnell weiterentwickelt. Dank der Kooperation können die Patienten kleinerer Häuser so auch an klinischen Studien des Universitätsspitals teilnehmen und von den neuesten Entwicklungen profitieren.
Der grosse Vorteil liegt in der Wohnortnähe. Viele Patienten bevorzugen die persönliche Betreuung in einem kleinen Spital. Häufig können Chemotherapien sehr gut im kleinen Spital durchgeführt werden. Komplexere Behandlungen finden am Unispital statt, wo ich die Patienten häufig selbst weiter- oder mitbetreuen kann.

Wer profitiert am meisten von diesem Konzept?

In erster Linie geht es um die Patienten, die davon profitieren, dass sie zumeist wohnortnah mit hoher Qualität betreuen werden können. Da dieses Modell der Zusammenarbeit einen raschen Informationsfluss gewährleistet, gelangen neue Erkenntnisse schnell auch zum Patienten im peripheren Spital. Umgekehrt kommen Patienten aus dem kleinen Spital ohne Umwege oder Zeitverlust direkt im Zentrumsspital zum zuständigen Spezialisten. Die Hausärzte schätzen ebenfalls, dass sie einen direkten Ansprechpartner vor Ort haben.

Kann das Modell schweizweit eine gesundheitspolitische Bedeutung haben?

Die Onkologie ist in der Schweiz auf viele kleine Spitäler und einige Zentrumsspitäler verteilt. Häufig arbeiten die Spitäler jedoch für sich alleine und nutzen nicht die Chancen, die sich durch eine enge Kooperation bieten. Ich denke, dass unser Modell aufzeigt, wie regionale Netzwerke die Patientenversorgung verbessern und gleichzeitig dem Wunsch der Patienten nach soweit möglich lokaler Betreuung auf hohem Niveau nachkommen können.

Im Interview

Dr. Axel Mischo
Facharzt FMH für Innere Medizin und Onkologie
am Spital Lachen und
am Universitätsspital Zürich