Forschung

Zum Wohle der Patienten

Von Mike Passmann · 2014

Forschungsarbeiten sind wichtig, um die Vorgänge bei Entstehung und Verbreitung von Tumorzellen zu verstehen.
Derzeit werden in der Schweiz viele aussichtsreiche Therapien erforscht.

Die Schweiz ist seit jeher ein wichtiger Forschungsstandort

Eine grosse Zahl internationaler Pharma- und Medizinalunternehmen ist hier ebenso ansässig, wie führende Universitätskliniken. Die Ziele der Forschungstätigkeiten sind dabei breit gefächert: Es werden unter anderem grundlegende Vorgänge im Körper untersucht, zum Beispiel, welche Faktoren zu Mutationen bestimmter Zellen führen, warum sie weiter wachsen und welche Folgen dadurch für das entsprechende Organ beziehungsweise den ganzen Körper entstehen. Und es wird versucht, Mechanismen zu entwickeln, die zum einen Mutationen unter bestimmten Voraussetzungen (präventiv) verhindern und zum anderen das Wachstum bremsen und im besten Falle die Tumorzellen zerstören. Doch auch das Zusammenspiel verschiedener Therapien wird erforscht, um Therapiedauer, Nebenwirkungen und psychische Folgen der Erkrankung möglichst zu reduzieren.
Zusätzlich sollte sichergestellt sein, dass die Therapie nicht zu erheblichen Nebenwirkungen oder einem unkontrollierten Tumorwachstum führt oder sich gar neue Tumoren an anderer Stelle entwickeln, wie das mitunter bei sehr seltenen Krebserkrankungen der Fall ist. Es gibt also – da das Forschungsergebnis im besten Falle beim Menschen zum Einsatz kommen soll – eine ganze Menge zu beachten. Dafür, dass die letztlich zugelassenen Heilmittel qualitativ einwandfrei, wirksam und sicher sind, sorgt Swissmedic, die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Heilmittel (Arzneimittel und Medizinprodukte). Dort werden entsprechende Studien angemeldet und eingereicht; sie müssen jederzeit nachvollziehbar sein, weshalb sämtliche Schritte und Ergebnisse stets dokumentiert werden. Auch Ethikkommissionen müssen für die Zulassung ihre Erlaubnis erteilen.

Zusammenarbeit gefragt

Da die Forschungsarbeit zeit- und ressourcenintensiv ist, ist die Kooperation zwischen Ärzten, Forschern und Unternehmen besonders wichtig. Viele Studien liefern belastbare Ergebnisse durch die gleichzeitige Durchführung an mehreren nationalen und internationalen Standorten. Wichtig zu wissen für den Krebspatienten, der an einer Studie teilnehmen möchte: Die Teilnahme an einer Studie ist stets kostenlos, es wird sehr umfangreich informiert und es werden nicht einfach «auf gut Glück» neue Wirkstoffe oder Therapien an einem ausprobiert. Vor der Anwendung am Menschen stehen umfangreiche Vorabuntersuchungen, die strengen gesetzlichen Vorlagen unterworfen sind. Zudem gibt es für die Patienten engmaschige Kontrolluntersuchungen, die für die notwendige Sicherheit sorgen.

Förderung wichtig

Die im Jahr 2013 beschlossene «Nationale Strategie gegen Krebs 2014 - 2017», kurz: NSK, hat unter anderem zum Ziel, Forschungsprojekte aktiv auf den Weg zu bringen beziehungsweise sie zu unterstützen. Da Krebsforschung sehr kostenintensiv ist, besteht ein hoher Bedarf an Zuschüssen seitens der forschenden Institutionen. Unterstützung gibt es beispielsweise durch die Schweizerische Stiftung für Klinische Krebsforschung (SSKK) sowie einem Verbund aus Stiftung Krebsforschung Schweiz (KFS), Krebsliga Schweiz (KLS) und acht kantonale Krebsligen (KKL). Im Jahr 2013 flossen allein durch den Forschungsverbund 20,4 Mio. Franken in Projekte an Universitäten, Spitälern und akademischen Forschungsinstitutionen. Auf den Grund geht man derzeit zum Beispiel dem «karzinogenem Potenzial der Benzinabgase von Autos» oder der «Identifikation und Bekämpfung der menschlichen Lungenkrebs-Stammzellen».

Ganz persönlich

Insbesondere in das Thema personalisierte Medizin werden grosse Hoffnungen gesetzt. Hier macht man sich zum Beispiel bestimmte immer wiederkehrende Gene bei Entstehung und Wachstum einzelner Krebsarten zunutze. Weiss man, welche Medikamente wirksam oder eben unwirksam bei einer Krebserkrankung sind, ist eine gezielte Behandlung möglich und lassen sich überflüssige, nervenraubende und kostenintensive Therapien vermeiden.
Auch die Immuntherapie geht dem personalisierten Ansatz nach und steht im Fokus vieler Forschungsarbeiten. Hier wird der Frage beleuchtet, wie viele und welche Immunzellen – also Abwehrzellen – sich in einem Tumor befinden. Mit diesem Wissen kann die Wirksamkeit von Antikörpern, die die Tumorzellen bekämpfen, getestet und vorhergesagt werden. Zusätzlich erforscht wird die Wirksamkeit von Immuntherapien in Kombination mit weiteren Therapien, zum Beispiel der konventionellen Chemotherapie. Aktuelle Forschungsarbeiten haben ergeben, dass durch eine Chemotherapie unter bestimmten Umständen das Immunsystem stimuliert wird – und somit auch die Antikörper.