Nachsorge

Zurück ins Leben

Von Nadine Effert · 2015

Tumor entfernt, Chemotherapie überstanden – und dann? Entscheidend im Genesungsprozess ist die Nachsorge, für die in der Schweiz das Bewusstsein geschärft werden muss.

Um nach der Krankheit und der Behandlung wieder ins Leben zurückzufinden, brauchen die meisten Betroffenen viel Zeit und Unterstützung.

Durch die zunehmende Chronifizierung von Krebserkrankungen – dank eines ständig wachsenden Fortschritts in der Diagnostik und Therapie – und der daraus resultierenden Zunahme an Krebspatienten rückt die onkologische Rehabilitation verstärkt in den Fokus. Der Bedarf an spezifischen Angeboten wird auch aufgrund des demografischen Wandels weiter steigen. Die «Spitalplanung Zürich 2012» etwa rechnet mit einer Zunahme von 20 Prozent an stationären Patienten bis 2020.

Für Körper und Seele

Die meisten Betroffenen brauchen viel Zeit, um nach der Krankheit und den Strapazen der Behandlung wieder ins Leben zurückzufinden. Zumal, wenn sie sich an dauerhafte Veränderungen ihres Körpers gewöhnen müssen. Die onkologische Rehabilitation unterstützt Patienten darin, ihr Leben neu zu ordnen, verhilft ihnen zu mehr Lebensqualität und Wohlbefinden. Auch die optimale Wiedereingliederung in den Alltag unter Berücksichtigung des sozialen und beruflichen Umfelds spielt eine Rolle. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und die Reduzierung von etwaigen Schmerzen. In der Rehabilitation lernen Krebspatienten, auch seelische Belastungen zu verarbeiten und mit der Angst, der Krebs könne wieder ausbrechen, umzugehen.

Umdenken erfordert

Die Strukturen – ob stationär oder ambulant – und Kompetenzen sind in der Schweiz vorhanden, es gilt sie jedoch zu optimieren. Dabei geht es etwa um einheitlichen Zugang zu Rehabilitationsangeboten und die Stärkung des Stellenwerts einer patientenorientierten Rehabilitation in der Versorgungskette. Das Angebot ist hinsichtlich Indikatoren, Zielsetzungen, Qualität und koordinierenden Strukturen vielfach noch unzureichend definiert, die Finanzierung gerade bei ambulanten Angeboten nicht hinreichend geklärt. Politischen Entscheidungsträgern, Versicherern und Fachpersonen wird jedoch zunehmend bewusster, dass Krebs heute vielfach überlebt und die onkologische Rehabilitation als eigenständiger medizinischer Fachbereich mit belegter Wirksamkeit gefördert werden muss.